07
Nov
09

Nenn mich

Nenn mich Revolverheldin:

Am Tag rette ich die Welt,
zu Nacht deine Existenz.

verloren im Wirr-warr des Lebens
bestreite ich jeden Felsen,
um mir nur noch mehr Wunden zu holen.

Ein Windhauch blässt mein Leben weiter,
doch Geschichten lassen mich welken.

Verloren im Ideal-Gedanken,
hat mich noch niemand geweckt..

07
Nov
09

Stadtgeflüster

Verlassene Gedanken
verlieren sich in den Straßen
und spielen mit der Gestalt der Stadt.

Warme Lichter formen sich um dunkle Gesichter
laute Bilder in einer stillen Stunde
Alles zermürbt in klarer Totenstarre,

nur ein Kind erkennt dies Trauerlied.

12
Okt
09

Alles eine Frage der Zeit

 

Keine Angst vorm Alt werden
Keine Angst vorm Alt werden

 

Durch Studium und Arbeit hast du  zwischenzeitlich das Feiern vergessen. Du schwingst dich in deine deine Ausgehklamotten und ab geht’s in deine Lieblingsbar. Nach ein paar Bier, fängt dein Körper an sich zu bewegen und du wippst mit. Du willst tanzen, doch du tastest dich mit deinen Augen durch die schwitzende Menge. Dein Gehirn scannt die Gesichter und sagt dir, dass alle mindestens fünf Jahre jünger sind als du. Du fragst dich: Was ist passiert? Wo ist die Zeit geblieben?

 Habt ihr es schon gehört?  Das Ticken in euch, das von Geburtstag zu Geburtstag immer lauter wird? Tick-tack…Dieser innere Gegner schnürt sich wie ein Zeitkorsett um unseren Körper und bindet uns bei allen Fragen an eine Zeittafel: Mit 20 Jahren Jahren studieren, 25 Karriere, mit 30 alle größeren Reisen abgehackt, und klar, allerspätestens mit 35 Jahren kommen dann mit dem langfristigen Partner die Kinder. Wir können diese Fesseln zwar lockern, aber wenn die beste Freundin mit 26 ein Kind bekommt, der Cousin mit 31 in eine Führungsposition befördert wird oder der runde Geburtstag sich nähert, wird das ticken lauter und du weißt: Du kannst dem Alter nicht davon laufen!
In den letzten Jahren ist die Lebenserwartung um drei Jahrzehnte gewachsen; das bedeutet jeder 30-Jährige hat gute  gute Chancen 90 oder älter zu werden. Die  älteren Generationen waren immer dem so genannten chronologischen Alter ausgesetzt, also die systematische Ordnung mit welchem Geburtstag was zu erledigen ist. Zudem vertraten die Psychologen die Meinung, dass die Entwicklung des Gehirns mit dem Erwachsenenalter fertig gestellt ist. Doch dies ist heute kaum noch ein Maßstab. Aussagekräftig sind vielmehr die Schwellen die wir im Laufe Laufe unseres Lebens überschreiten: der erste Sex, der erste Todesfall, eine Krise oder eine Trennung. „Heutzutage gehen Entwicklungspsychologen davon aus, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens gewisse Stufen durchlebt. Eine Stufe wäre zum Beispiel, wenn ein junger Erwachsener die Intimität erlernt“, erklärt die Psychologie-Lehramtsstudentin Jasmin Stangl. Aus diesem Erfahrungsschatz bildet sich sozusagen die „Weisheit“.

Selbst wenn sich die Weh-Wehchen ab 25 häufen oder der Spiegel hin und wieder  ein Fältchen zum Vorschein bringt, ist es kein Zeichen des wahren Lebensjahres. Denn nicht das Geburtsjahr ist entscheidend, sondern die eigene Fitness. Altern ist individuell. So können beispielsweise Geschwister gleich alt sein, aber aber verschieden alt aussehen. Aber Hand aufs Herz: Das „Für immer jung“-Syndrom von Madonna ist nicht erstrebenswert, zeigt aber, dass das körperliche Alter von Vitaminzufuhr und Bewegung abhängt (und zugegeben: in Madonnas Fall auch vom Chirurgen).
Fazit: Biologie und Psychologie geben uns wenig Grund dafür uns alt zu fühlen,  warum tun wir es aber trotzdem? Wichtiger Anteil trägt die Gesellschaft, die uns zu verstehen gibt, wann wir gefälligst welches Klischee unseres chronologischen Alters erfüllen müssen. Sozusagen, dass ein 20-Jähriger sich tunlichst bilden muss, dass man Mitte 30 Geld verdienen soll und sobald man das 60. Lebensjahr erreicht, gehören beige Klamotten gekauft.
Dabei bröckelt die Fassade  immer mehr. Die  Grenzen zwischen Jugend und Erwachsensein verwischen. Früher wurde man mit Beginn der Volljährigkeit für Erwachsen erklärt, heute verlagert sich diese Grenze immer weiter nach hinten. Es ist selbstverständlich, dass man vorm Erwachsen werden Angst hat. Im Gegensatz zu früher muss jeder viel mehr und komplexere Entscheidungen treffen. Der Altersforscher Paul Baltes hat das 21. Jahrhundert deshalb als das „Zeitalter des chronisch unfertigen Menschen“ bezeichnet. Das Gefühl alles richtig machen zu müssen, ohne zu wissen was das Richtige ist. „Midlifecrisis“ gehören heute zur Normalität. Ein guter Rat ist, nicht alles um die Dreißig erledigen zu wollen, geschweige denn sich dem chronologischen Alter anzupassen. Krisen gehören einfach dazu, um sich im weiteren Lebensverlauf neu zu ordnen.

Also: Wenn du auf der Tanzfläche stehst und und lauter junge schwitzende Gesichter in die Augen siehst, dann Zweifel nicht, wirf deine Fesseln ab und tanz! Aber bitte nicht unbedingt so wie Michael Jackson oder Mick Jagger.

02
Sep
09

Aufruf

Ein Kuss
belebt den Toten
Begierde
fängt den Erloschenen
Einsamkeit
lässt den Trauernden verhungern
Ein brennen
erweckt das Leben
Ein Ort
kann Frieden schaffen
Die Welt
ist schon längst in dir
Die Tiefe der Augen
zeigt deine Mission
Laufe davon!

02
Sep
09

Mein Weg

Mein Weg ist der Weg eines Künstlers,
eines Narren
der im Sonnenuntergang pfeifft
und die Melodie des plätschernden Baches malt.
Ich sehe die verschwommenen Zeichen des Regenbogens vor dir
und die schillernden Seifenblasen platzen
Seidenstraßen durchläuft jeder von uns
doch mein Weg ist der Weg eines Künstlers,

du betäubst dich,
doch ich weck dich

24
Jun
09

Jugendliche Schmiererei oder krasser Revolutionsgedanke?

banksy- Einer der berühmtesten Streetart-KünstlerToilettenschmiererei, Strache´s verdächtiges Bärtchen oder Tags wie „Solo“ zieren seit jeher das Stadtbild Wiens und wandeln es in eine urbane, schrille Atmosphäre. Sticker, Texte, Schablonen- Street Art ist ein dehnbarer Begriff, der mit vielen Kontroversen zu kämpfen hat.
Streetart-Akteure nützen das Medium „Stadt“ um ihre Kunst unter die Menschen zu bringen. Ob Straßenbahn, Einkaufszentren, Plakate – die Stadt wird zur Galerie und so erreichen die Künstler die tägliche Konfrontation des Massenkonsumenten mit jener „unerwünschten“ Kunst.
In einer Gesellschaft in der es keinen gesetzlichen Freiraum mehr gibt, wo selbst Demonstrationen gemeldet werden müssen, sehen sich die Straßenkünstler als Rebellen, denn sie fragen nicht – sie handeln. Entlang des Donaukanals existieren einige legale Wände, initiiert von der Stadtverwaltung. Vereinzelt trifft man auch hier Künstler an. „Solche Wände werden höchstens zum Üben verwendet, um schneller und präziser zu werden“, so ein anonymer Künstler. Gemeinsam mit ein paar Freunden will er den gemeinsamen „Tag“, ihren Namenszug, in der Stadt bekanntmachen. Für ihn und seine Gruppe ist es der Kick – der Adrenalinschub, der aus dem Phänomen Street Art eine Lebenseinstellung macht. Der Nervenkitzel sorgt für die nötige Präzision, doch von Spontanität kann nicht die Rede sein.  „Wir kundschaften zwei Wochen vorher die Lage aus. Wie verhalten sich die Wachen, wann fahren die Züge ein, erst dann agieren wir“, so der Künstler. In Wien gibt es 20-30 solcher Gruppen, aber auch Einzelkünstler wie „Solo“ oder „Busk“ zieren das Stadtbild. „Die Grundidee hinter Streetart ist der Protest gegen den Kommerz und das kapitalistische System“, so Nicholas Platzer, Gründer der in Wien einzigartigen Streetart-Galerie „Inoperable“. Er stellt Werke von nationalen und internationalen Streetart-Künstlern aus. De gebürtige US-Amerikaner hat Wien für sich entdeckt: „Wien hat keine große Streetart-Szene, aber hier habe ich die Chance talentierten Künstlern zu helfen bekannter zu werden und gleichzeitig für internationale Künstler Wien attraktiver zu machen.“
Viele „Normalsterbliche“ beschreiben Streetart als eine Art jugendliche Schmiererei, da grob betrachtet auch einfache Schriftzüge auf Toiletten oder Plakaten in diesen Begriffsblock hineinfallen. Ungedachte Gekritzel  werden von echten Künstlern nicht anerkannt. Nicholas dazu: „Für wahre Künstler ist dies keine relevante Kunstform. Eine perfekte Technik gemischt mit  leidenschaftlichen  Ideen  machen den Unterschied.“ 
Das beliebteste Streetart-Opfer, die ÖBB, engagiert täglich vier Putzkolonnen zur ‚Schadensbehebung’ “ . Wird man auf frischer Tat ertappt, muss man im schlimmsten Fall eine bedingte Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren auf streetartsich nehmen.
Aber wir dürfen eines nicht vergessen: Streetart- Künstler möchten keine Werte vermitteln, uns nicht auf ihre Seite bringen- sie wollen uns die Macht und Ästhetik der Symbolkraft vor Auge führen, denn wie wahr- unser geliebtes, konservatives Wien, wäre ohne diese Künstler ein Mauerblümchen unter den Städten.

 

 

 1. Vgl:  http://de.youtube.com/watch?v=-ZfF8IeIUlQ: Report ORF 2

07
Mai
09

Das Pathos des Leidenden

Edward Munch

Edvard Munch, Ashes

Viel schöpferische Energie entsteht durch Schmerz. Das Herz des Künstlers umfasst ein Universum, Gefühle ziehen aufbrausend auf und verabschieden sich wieder in den Tiefen des Nichts.

Diesmal widme ich mein Schreiben einer ganz besonderen Gattung von Künstler: dem Leidenden. Seit dem ich in Wien wohne, habe ich viele Künstler kennen gelernt – eines ist mir dabei besonders aufgefallen: ihr Pathos, ihr Drang zu Leben, aber die innere Verzweiflung, die sie am Glücklich sein hindert. Van Gogh schnitt sich aus Jähzorn das rechte Ohr ab, Edvard Munch hatte eine bipolare StörungKurt Cobain richtete sich selbst- es gibt unzählige Beispiele für die Tragik der Künstler. Meiner Meinung nach entstehen bzw. entstanden große Werke durch Leid und innerer Unruhe. Ich halte meine Aussage für gewagt, aber dennoch für ein Faktum. Es mag Ausnahmen geben, aber dem ungeachtet, beziehen viele Kreative ihre schöpferische Energie aus ihren Depressionen. Künstler sehen sich nie als Teil der Gesellschaft an, sind ohne Rast und immer bereit große Qualen auf sich zu nehmen. Ihre Exzentrik, ihre übertriebene Dramatik macht sie oft für Mitmenschen zu sonderbaren Wesen, zu Außenseitern. Oft verhilft ihnen nur der Tod zu ewigen Ruhm. Dabei interessiert dieser sie gar nicht. Sie möchten nur eines besiegen: sich selbst.
Wir betrachten diese Individuen, und ergötzen uns daran. Das beste Beispiel ist Soap&Skin- eine 18-jährige, österreichische Musikerin wird zur „Schmerzensfrau“ erhoben. Der Medienhype um sie ist gigantisch. Das Publikum bestaunt dieses unsagbare Wesen auf der Bühne und lauscht ihrer „Skepsis gegenüber unserer Realität“. Ihre innere Abgeschlagenheit benennen wir schlichtweg als ein ,,typisches Symptom“ der Künstler. Mit Befriedigung sehen wir ihr bei ihrem Seelenstriptease zu.

Es darf nicht vergessen werden, dass – wenn ich von Künstlern spreche, nicht nur praktizierende Kulturelle, sondern auch Lebenskünstler, in sich gekehrte Menschen oder Querdenker meine – ihre Werke entstehen durch ihr inneres Chaos. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wenn ich solchen Menschen begegnen darf, obwohl es mir weh tut, wenn ich ihr inneres Leid spüren kann und sehe, wie sie vergessen im Moment zu leben.

 

Anmerkung: Ich sehe hier meinen sehr subjektiven Ansichten in die Augen. Ich will hier kein „in Schublade stecken“ von Künstlern erreichen- diese Materie ist so komplex- es würde nicht funktionieren. Hier zeige ich nur meine Beobachtungen auf.

14
Apr
09

And the money goes to…

… the IWF

Ja, ich weiß der G20-Gipfel in London ist nun schon wieder ein Weilchen her. Vor zwei Wochen trafen sich die zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zu den altbekannten Disziplinen „Hirnwixerei“ und „Geldherumschieberei“. Ein Toter in London, 6.500 Demonstranten in Wien und das Obama-Pärchen Tee- trinkend bei der Queen. Herrlich. Belassen wir es einstweilen dabei. Ein Verein der wieder jammerte und absahnte, war der IWF- meiner Meinung nach der Herrscher über die dritte Welt.

Wie beherrscht man ein fremdes Land?

Richtig, mit dem Schuldendienst. Die Völker der armen Länder des Südens arbeiten sich zu Tode, um die Entwicklung der reichen Länder des Nordens zu finanzieren. Hier kommt der IWF ins Spiel. Er, der internationale Währungsfonds, verwaltet die Kredite, ergo die Schulden der Entwicklungsländer. Dabei stellt er mörderische Anforderungen: Einerseits müssen die Länder für ihre Anleihen fünf- bis sieben mal höhere Zinsen zurückzahlen (im Fachjargon schön mit „Risikoprämien“ umschrieben), zum anderen werden Bedingungen, wie Privatisierung und Verkauf von den rentablen Unternehmen (beispielsweise Bergwerke oder öffentliche Dienste, etc….) erzwungen. Für das verschuldete Land verbraucht dieser Schuldendienst den Großteil der inländischen Ressourcen – Geld für soziale Investitionen, etwa Schulen oder öffentliche Spitäler bleiben kaum. Droht die Zahlungsunfähigkeit macht Washington, der Sitz des IWFs, Druck. Der Gürtel wird enger geschnallt und Haushaltskürzungen werden vorgenommen.

Wo wird gespart?

Nie würde das Steuerwesen angetastet werden, auch das Budget der Armee oder Geheimdienste wird nicht angerührt. Sie schützen ja diese Herrscher. Bei den Sparmaßnahmen gelangen wir wieder zum einfachen Mann, zur einfachen Frau.
Ein Beispiel aus dem Buch ,,Das Imperium der Schande“ von Jean Ziegler (S. 72): ,,Anfang der achtziger Jahre hat der IWF Brasilien einen besonders strengen Anpassungsplan aufgenötigt. Die Regierung musste ihre Ausgaben massiv einschränken. Sie hat unter anderem eine nationale Impfungskampagne gegen Masern eingestellt. Im Jahr 1984 ist in Brasilien eine schreckliche Masernepidemie ausgebrochen. Zehntausende ungeimpfte Kinder sind gestorben. Die Verschuldung hat sie getötet.“ Die Verschuldung lastet auf den Armen, auf ihnen allein. Sie treiben die Länder in eine schwere Abhängigkeit, die ein Herauskommen aus der Armut unmöglich macht.
Die Thematik IWF ist riesig und viel zu komplex um sie in ein paar Zeilen auszudrücken. Viele Faktoren, wie die Agrarwirtschaft, etc. hängen damit zusammen. Die Fäden des IWF sind unergründlich und wirr verstrickt. Seit dem G20 Gipfel steht außerdem fest, dass die Macht dieser Institution aufgebaut werden soll. Es werden 500 Milliarden Dollar zusätzlich gefordert. Weiters soll dem IWF erlaubt werden, bei Bedarf zusätzlich Kredite am Markt aufzunehmen.
„Der Fonds soll auch Schwellen- und Entwicklungsländer umfassender als bisher unterstützen können, “ schreibt die Presse vom 2. April 2009. Na toll.
Geld und Macht gehört nur Wenigen, doch die können nicht genug davon bekommen. Solange dies mehr Wert ist, als Menschenwürde und Freiheit wird Konkurrenzdenken und Gier die Welt verschlingen.Die Frage ist: Gibt es noch Hoffnung? In diesem Punkt fällt es schwer an eine bessere Welt zu glauben, ohne als idealistischer Gutmensch mit fehlendem Realitätsbezug, abgestempelt zu werden.
Trotzdem sage ich ja, es gibt noch Zuversicht. Es wird eine bessere Zeit kommen. Widerstand gibt es ja bereits. Das ist auch gut so, denn wie Jean Ziegler schon meinte: ,,In einer Demokratie gibt es keine Ausreden. „ (aus „Der Geist des Geldes“)

Tipp: Mehr über die Krise: Offener Brief an die G20- Staaten: http://www.leap2020.eu/Offener-Brief-Gipfel-der-G20-Staaten-Letzte-Chance,-den-Zerfall-der-offentlichen-Ordnung-aufzuhalten_a3011.html

31
Mär
09

Sensationsgeilheit. Wie wir dem Qualitätsjournalismus beim Sterben zusehen

Ein schallender Jahrmarkt aus Sensationen, totaler Propaganda und schreiender Verschwörungstheorien von zig-tausenden Internetbloggern und Boulevardmedien zieht seinen Weg in die Köpfe des abgestumpften Lesers. Die Menschen wollen unterhalten werden und das egal wie. Daneben ist eine Behauptung des Qualitätsjournalismus schier unmöglich.
Schneller und interessanter sollen die Berichte sein. Der heutige Journalist steht unter dem immensen Druck, ruhelos Leistung zu zeigen. Ein gutes Recherchieren wird fast unmöglich. Nick Davies, Autor des Buches „Flat Earth News„, untersuchte knapp 2.000 Berichte aus seriösen Zeitungen, wie etwa der Times, Independent oder Guardian und fand heraus, dass 60 Prozent der Texte ganz oder größtenteils von Nachrichtenagenturen oder PR-Abteilungen übernommen wurden. Nur 12 Prozent gehen aus reiner Eigenrecherche hervor.* Somit könnten Journalisten als skrupellose Bösewichte angesehen werden.

Was ist, wenn Journalisten rebellieren?

Nein, auch sie sind Opfer des Systems. Was würde passieren, wenn sie streiken? Wenn sie sagen würden: Nicht mit uns? Nichts, dann wird die Zeitung eben von zwei, drei Männern aus PR-Meldungen zusammengestellt. Oder sie sind ihren Job los. Der Arbeitsmarkt im Journalismus ist derart überlaufen, dass sich dies niemand leisten kann. Die neu erfundenen FH Studiengänge produzieren Journalisten am Fließband, die nicht nur billiger, sondern auch williger sind. Überdies überfluten abertausend „Bürgerjournalisten“ das Internet mit Blogeinträgen.
Dies sind klassische Auswüchse des Systems. Auflagensteigerung über Qualität. Aus Mangel an Geld und Ressourcen muss auf die Berichterstattung von internationalen Katastrophen und Kriegen verzichtet werden. Somit muss Fritzl her halten. Die Masse verlangt nach Schlagzeilen. Der Porno Fritzl- aber Hunderte Vertreter der renommierten Medien rissen sich um die „Exklusivbilder“, um die winzigsten Informationen rund um die Verhandlung in St. Pölten. Natürlich war klar, wie der Prozess enden würde. Aber gewürzt mit aufgebauschter Tragik und neuen Erkenntnissen von der Psyche des „Inzestmonsters“ überrundet man jedes Sendeloch. Spezialagent Helmut Zilk, der in Auftrag der Tschechischen Republik Spionage betrieben haben soll, sorgt für wichtigen Gesprächsstoff. Sonst ist ja nichts los. Ob es nun der Wahrheit entspricht oder nur teilweise sei dahin gestellt. Zumindest erfährt der Verbraucher mehr über Dagmar Kollers Kotzbedürfnisse.
Der Qualitätsjournalismus kennt viele Mörder, der Leser bzw. Zuseher ist einer von ihnen. Der Mangel an kritischem Publikum ist verantwortlich für dieses triste Dasein. Würde der Leser mehr hinterfragen und sich nicht nur von geballten Schlagzeilen einlullen lassen, könnte sich etwas ändern. Die Massenmedien sind ihrerseits nur Spiegel der herrschenden Gesellschaft. Der Leser schafft die Geschichten, der Zuseher ist verantwortlich für das Niveau im Fernsehen. Hier gelten keine Ausreden- der abgestumpfte Verbraucher will keinen Aufwand, kein „Nachdenken“- er will seichte und schnelle Informationen. Und das sofort.  Aber seid unbesorgt- der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht.

  • aus: „Wir sind alle Dinosaurier“ Ein Interview von Joachim Riedl mit Nick Davies in „die Zeit“ vom 12. März 2009.

 

25
Mär
09

Rette deine Existenz

Schwelge mit mir in Zweisamkeit

Zeige mir deinen wahren Kern

Der Morgen ist unsagbar fern

Lieb mich und ich hass dich

Wer braucht dich schon

Verliere mich in deinen Gedanken

Und zolle dir Hohn

Nein, du liebst mich nicht

Zu bezahlst mich nur

Schlag mich noch einmal

Und diesmal pur

Fessle deine Gedanken

Und rette deine Existenz

Denn das ist des Abends letzte Essenz