… the IWF
Ja, ich weiß der G20-Gipfel in London ist nun schon wieder ein Weilchen her. Vor zwei Wochen trafen sich die zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zu den altbekannten Disziplinen „Hirnwixerei“ und „Geldherumschieberei“. Ein Toter in London, 6.500 Demonstranten in Wien und das Obama-Pärchen Tee- trinkend bei der Queen. Herrlich. Belassen wir es einstweilen dabei. Ein Verein der wieder jammerte und absahnte, war der IWF- meiner Meinung nach der Herrscher über die dritte Welt.
Wie beherrscht man ein fremdes Land?
Richtig, mit dem Schuldendienst. Die Völker der armen Länder des Südens arbeiten sich zu Tode, um die Entwicklung der reichen Länder des Nordens zu finanzieren. Hier kommt der IWF ins Spiel. Er, der internationale Währungsfonds, verwaltet die Kredite, ergo die Schulden der Entwicklungsländer. Dabei stellt er mörderische Anforderungen: Einerseits müssen die Länder für ihre Anleihen fünf- bis sieben mal höhere Zinsen zurückzahlen (im Fachjargon schön mit „Risikoprämien“ umschrieben), zum anderen werden Bedingungen, wie Privatisierung und Verkauf von den rentablen Unternehmen (beispielsweise Bergwerke oder öffentliche Dienste, etc….) erzwungen. Für das verschuldete Land verbraucht dieser Schuldendienst den Großteil der inländischen Ressourcen – Geld für soziale Investitionen, etwa Schulen oder öffentliche Spitäler bleiben kaum. Droht die Zahlungsunfähigkeit macht Washington, der Sitz des IWFs, Druck. Der Gürtel wird enger geschnallt und Haushaltskürzungen werden vorgenommen.
Wo wird gespart?
Nie würde das Steuerwesen angetastet werden, auch das Budget der Armee oder Geheimdienste wird nicht angerührt. Sie schützen ja diese Herrscher. Bei den Sparmaßnahmen gelangen wir wieder zum einfachen Mann, zur einfachen Frau.
Ein Beispiel aus dem Buch ,,Das Imperium der Schande“ von Jean Ziegler (S. 72): ,,Anfang der achtziger Jahre hat der IWF Brasilien einen besonders strengen Anpassungsplan aufgenötigt. Die Regierung musste ihre Ausgaben massiv einschränken. Sie hat unter anderem eine nationale Impfungskampagne gegen Masern eingestellt. Im Jahr 1984 ist in Brasilien eine schreckliche Masernepidemie ausgebrochen. Zehntausende ungeimpfte Kinder sind gestorben. Die Verschuldung hat sie getötet.“ Die Verschuldung lastet auf den Armen, auf ihnen allein. Sie treiben die Länder in eine schwere Abhängigkeit, die ein Herauskommen aus der Armut unmöglich macht.
Die Thematik IWF ist riesig und viel zu komplex um sie in ein paar Zeilen auszudrücken. Viele Faktoren, wie die Agrarwirtschaft, etc. hängen damit zusammen. Die Fäden des IWF sind unergründlich und wirr verstrickt. Seit dem G20 Gipfel steht außerdem fest, dass die Macht dieser Institution aufgebaut werden soll. Es werden 500 Milliarden Dollar zusätzlich gefordert. Weiters soll dem IWF erlaubt werden, bei Bedarf zusätzlich Kredite am Markt aufzunehmen. „Der Fonds soll auch Schwellen- und Entwicklungsländer umfassender als bisher unterstützen können, “ schreibt die Presse vom 2. April 2009. Na toll.
Geld und Macht gehört nur Wenigen, doch die können nicht genug davon bekommen. Solange dies mehr Wert ist, als Menschenwürde und Freiheit wird Konkurrenzdenken und Gier die Welt verschlingen.Die Frage ist: Gibt es noch Hoffnung? In diesem Punkt fällt es schwer an eine bessere Welt zu glauben, ohne als idealistischer Gutmensch mit fehlendem Realitätsbezug, abgestempelt zu werden.
Trotzdem sage ich ja, es gibt noch Zuversicht. Es wird eine bessere Zeit kommen. Widerstand gibt es ja bereits. Das ist auch gut so, denn wie Jean Ziegler schon meinte: ,,In einer Demokratie gibt es keine Ausreden. „ (aus „Der Geist des Geldes“)
Tipp: Mehr über die Krise: Offener Brief an die G20- Staaten: http://www.leap2020.eu/Offener-Brief-Gipfel-der-G20-Staaten-Letzte-Chance,-den-Zerfall-der-offentlichen-Ordnung-aufzuhalten_a3011.html